Gut gelaunt gegen Mitternacht

Am französischen Stand der Nachbarstadt

fand das diesjährige Wetttrinken der Schutzengel statt.

Am Kopf als Hut eine Austernschale.

Zu Fliegen versuchte er einige Male.

Kicherd stieg er dann in den Bus,

weil er zu mir nach Hause muss.

Wollte bezahlen mit einem Rosenquarz

und fuhr dann doch lieber schwarz .

In der Hand seinen Heiligenschein,

so kam mein Schutzengelchen total betrunken heim.

Champagnerbläschen

entsteigen seinen kleinem Näschen.

Gut gelaunt pinkelt er in meinen Prosecco,

bevor er die Gesichtsfarbe wechselt wie ein Gecko.

Ob er gewann, konnte er mir noch nicht sagen,

ich habe ihn in der Nacht mehrmals auf’s Klo getragen.

Zwischen Buden und Fischsemmeln

Ja so ein Bummel

über’n Kärwarummel,

öffnet alle Geschmacksknospen

bevor sie einrosten.

Hier geht es vor allem um’s Essen.

Kalorien für heute vergessen

und auch morgen nicht zählen,

so kann das schlechte Gewissen einen nicht quälen.

Die Waage am besten einschließen in einen Schrank,

den Schlüssel wegwerfen: „Gott sei Dank!“

nun einfach essen was einem schmeckt,

auch wenn ein paar Kalorien mehr darin versteckt.

Ich konnte gar nicht genug staunen,

an vielen Ständen ein Schmatzen und Raunen,

Flügel flattern und Lächeln verbreiten.

Ich sah Schutzengel aus den Kirchen eilen,

lachend neben Kindern sitzen

und mit ihnen im Karussell herumflitzen.

Mein Schutzengel ist eher behäbig,

Karussellfahren nur ganz mäßig.

Für Oldtimer ist er zu haben,

stundenlang fuhr er mit in einem Wagen.

Champagner beseelt schläft er nun schon hinter mir,

ich lächle und schließe leise die Tür.

In dunklen Gassen

Vor den Häusern ein Bauzaun lacht,

stolper nicht ins Loch, gib acht.

Am Gehweg Vielfalt,

da ein Spalt,

dort eine Falte mit einem Loch.

Stolpere nicht, du siehst es doch.

Steck‘ ein deine Taschenlampe

und über die hintere Rampe

hochgestiegen,

solche Schleichwege sollte man lieben.

Ja, ich schleich‘ gern durch die Gassen,

wenn ich nachts tanze auf Terrassen

oder mich auf der Bierbank krümme vor Lachen.

Gelegentlich auch mal mitmachen

und eigene Witze kreieren.

Die Hauptsache das Leben spüren.

Gute Nacht, im Mondenschein

wandere ich gerne heim.

Da liebe ich die Stille der Stadt,

die mir so viel zu bieten hat.

…aber bitte ohne Grübelei.

Die Worte flüstern aus allen Zimmerecken.

Worte, die sich tagsüber in den Schubladen meines Gehirns verstecken.

Sie plappernten die ganze Nacht.

Hielten mich im Bette wach.

Es half kein Drehen und kein Wenden.

Hin und her sich Wälzen ist Energie verschwenden.

Gepuscht mit Adrenalin, die Uhr zeigt nach Zwei.

Liebes Gehirn, der Tag ist längst vorbei.

Wach sein ist sinnlos, hat keinen Zweck mehr.

Oh lieber Gott, wo bekomme ich Müdigkeit her?

Mein Schlaf, schlummerte irgendwo schon ohne mich.

Wahrscheinlich genauso erschöpft wie ich.

So starrte ich ins Morgengrauen

und konnte dann kaum aus den Augen schauen.

Und mein Schlaf?

Er lag neben meinen Gatten im Bett, ganz brav.

Dank Ihnen bin ich heutzutage viel, viel schlauer…

Ich hatte die Ehre

in der ersten Bank zu sitzen in Ihrer Mathegaleere.

Ich bin noch immer von kleiner Gestalt,

doch unterdessen mit viel mehr Rauminhalt.

Und kann, dank Ihrer Geduld, jedem erklären

was Primzahlen wären.

Mit Ihnen habe ich, und dies ist nicht gelogen,

meine erste Wurzel gezogen.

Als Junglehrer in der ersten 9. Klasse der Hardschule,

waren Sie „das supercoole

Mathe-Genie“.

Ich verehrte Sie

und verzehrte mich nach jedem Mathe-Buchband

aus Ihrer zarten Lehrerhand.

Ja, Sie haben bis heute Recht –

wer nicht rechnet, dem geht’s schlecht.

Textaufgaben sind das halbe Leben

und dahin schweben,

ohne irgendeine Zahl

eine Lebensqual.

Durch Sie von Note 5 auf Note 3 im Abschlusszeugnis aufgestiegen,

dafür darf ich Sie heute noch verehren und lieben.

Zeugnisse brauche ich heute nicht mehr,

der alte Ordner ist nun leer.

Auf meine alten Tage bin ich ins Textfach gewechselt.

Bei mir werden nun Sätze gehäckselt,

Buchstaben neu sortiert

und zur Lyrik umgruppiert.

Dass Sie am anderen Ende der Stadt leben, habe ich mit Freude vernommen.

Ich hoffe, meine Freundin lässt Ihnen diesen Text zukommen.

Leistungskurs B, gezeichnet „der Frosch“

und Kopfrechnen kann ich auch noch.