Es tropft gelegentlich

Ich bin heute müde.

Die Buchstaben so spröte

und knirschen beim Buchstabieren

oder krabbeln auf allen Vieren.

Alle haben einen Gewitterschaden.

Mussten durch den Regen waten

und es tropft gelegentlich

von ihrer Nase auf den Tisch.

Das Gewitter war so laut.

Die Buchstaben nun halb taub

und wollen am Telefon

ihr Gehör testen auf leisen Ton.

Ich selbst brauche das nicht,

weil überall zu laut mir ist.

Ich höre das Gras wachsen und die Flöhe husten

und höre, wenn Engel Kerzen auspusten.

Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht.

Ab und zu tröpfelt es sacht

aus Petrus seinem Taschentuch –

Regen, davon gibt es genug.

Bald wird es sonnig, Petrus sitzt am Schalter.

Dann zieht das Regentief weiter…

Ein kleiner Gast

Es dachte sich die Wespe:

„Für mich das Beste,

wäre Eistee:

kühl wie Schnee,

mit dem Geschmack von Pfirsich.“

All‘ das hatte sie sich

in den Kopf gesetzt.

Nun flog sie gestresst

hin und her, zwischen Glas und Flaschen.

Ich lud sie ein zum Nippen und Naschen.

Auch die Spaghetti mit Tomatensoße fand sie interessant.

Ich verscheuchte sie nicht mit der Hand,

sondern beobachtete sie eine Weile.

Wir beide hatten keine Eile.

Zu viele…

Ich wurde vor kurzem mit „Beliebt sein“ erschlagen.

Wie still war es vor einigen Jahren,

als ich noch in mein Mauseloch kroch.

Dort konnte ich vor mich hin siechen

und brauchte nur ab und zu vorsichtig heraus kriechen.

Dies Jahr überrollte mich ganz schnelle

eine riesige Geburtstagsgratulantenwelle.

Oho, was für ein Wortungetüm,

lieber es schnell beiseite schieb’n.

Aufstehen, abwischen, Krone richten,

Brille putzen, Reime dichten.

Als der Blumenbote schellt,

vergaß ich sein Trinkgeld.

Ich konnte das Blumenglück gar nicht erfassen.

Er dachte sich wohl: „Der Alten fehlen im Schrank alle Tassen“.

Ich denke, er hat Recht,

mein Gehirn arbeitet ohne Tassen ganz schlecht.

Nach Tagen kehrt endlich Ruhe ein.

Wünsche mir nun ein Schäufelein,

damit schaufle ich mir ein Loch

und entfliehe, wenn’s eng wird, doch noch.

Im Schatten der WM

Während man dort Fußball spielt,

tut sich in politischen Kreisen bei uns ganz viel.

Denn wenn die einen von Toren träumen,

basteln die anderen für uns Reformen.

Peitschen diese mit ganz viel Geschick,

mit der täglichen Politik,

blitzschnell durch den Bundestag,

und loben sich als Frau und Mann der Tat.

Ja, wenn nur wenige schauen hin,

ist in Reformen viel Unheil drin.

Noch hat der Bürger zu viel Biß,

bald spart man an seinem Gebiß.