Leise in der Nacht…

Getragen vom Wind

wandern Töne geschwind

an der Hauswand entlang,

um dann

durch Fensterritzen zu schweben

und auf meinen Schreibtisch zu zu streben.

Hier erhalten sie Aufmerksamkeit.

Sie plustern sich auf mit Lässigkeit.

Im Nu

höre ich ihnen zu.

Schenke ihnen ein neues Leben,

lass‘ sie auf dem Papier aufleben.

Ein Surren, Sumsen, Brausen, Sausen,

irgendwo höre ich Wasser rauschen.

Es kommen im Nu

weitere Hausgeräusche mit dazu.

Im Hintergrund stampft es leise, tagein, tagaus

im Haus

oder nur bei mir?

In meinem Kopf oder auf dem Papier?

Mein Gatte hört es auch in der Nacht,

es hat uns noch nie um den Schlaf gebracht.

Wenn wir beide es hören, dann ist das Geräusch real

und wir überdenken es nicht noch einmal.

Die Nachbarn heute sehr aktiv,

irgendwo hängt der Haussegen schief.

Das Kleinkind testet seine Stimme

und schleudert, wie über Kimme

und Korn,

laute Schreie nach vorn.

Der große Sohn denkt, dass Mama

nur für ihn da.

So ruft er auch nachts um drei,

Mama laut herbei.

Nun ist Gekicher angesagt,

welch‘ ein lebhafter Menschenschlag.

Der Flughafen erwacht nun zum Leben,

Flugzeuge auf und nieder schweben,

natürlich geht kein Flugzeug leise

auf die große Reise.

Meine Augenlieder

fallen hernieder.

Die Teetasse leer.

Meine Glieder schwer.

Die Heizung rauscht wie mein Tinnitus…

Gute Nacht, schlaft gut, für heute Schluss.

Es naht der Herbst

Leise zieht der Sommer davon.

Im Schlepptau schon

die Wolkenbank.

In den Schrank

wandern die Sandalen.

Ach wie schön sie waren

die letzten Sommertage,

für manchen noch eine Plage.

Obwohl die Morgenluft schon würzig

floß der Aperol spritzig,

nachmittags in Cocktail-Laune.

Bald bläst das Sturmtief in seine Posaune.

Die Kärwa rückt näher,

die ersten Späher

melden schon: „Ja mei,

die Freiheit bald autofrei.“

Enten flogen am Himmel vorüber.

Mein Schutzengel singt Herbstlieder.

Des Mondes Silberfäden fangen Spinnen ein

und weben Netze, ganz fein…

Ein aktueller Wortschwall

Leise hüpfen meine Finger

von Buchstabe

zu Buchstabe.

Zögerlich,

weil ich

noch zwischen den Zeilen

möchte verweilen.

Manchmal suche ich nach einem Thema.

Ich will ja nicht immer nach dem F-Schema

verfahren, sondern Neuland betreten.

Lieber über Aktuelles reden,

als im Garten Eden

der Schlange wiederholt den Apfel rauben

und dann auch noch die Faulen auf zuklauben.

Doch manchmal sind Neuigkeiten rar

und ich frage mich, was mach ich da?

Dann sauge ich mir eine Geschichte aus den Fingern.

Sie wissen schon, das sind die komischen Dinger

am Ende der Hand,

zwischen denen sich oft mein Bleistift befand.

Am Tablet ist es nicht so leicht.

Die Verbindung zum Gehirn eher seicht.

Das Tippen verhindert das stetige Fließen.

Es ist eher, als würde ich niesen

und die Worte als Schwall ausspucken,

bevor sie als Satz zusammen rucken.

Heute kommt nicht Mal ein Schwall.

Denn im Hause rollt der Ball .

Ich horche und habe das Gefühl,

eine Bowlingkugel rollt durch das Gewühl

von Holzbausteinen

und Kinderbeinen.

Nun hüpft die Kugel fleißig auf und ab –

ja das Nachbarskind hält uns auf Trapp.

Bürgerbelustigung

Vor meinem Fenster rollt der Bagger,

dazu lautes Metallgeklapper.

Piep-piep-piep im Rückwärtsgang,

alle Kipplaster fahren hier entlang.

Die Kreissäge kreischt in Monotonie

durch den Asphalt in aller Früh.

Wohin ich geh‘ ein Bauzaun

mit Blinklichter – ein Albtraum.

Ich bin schon froh,

wenn ich irgendwo

in meiner Nähe

einen Bus in die Stadtmitte erspähe.

Umleitungen, Bürgerbelustigung der besonderen Art –

wer diese wohl geplanet hat?

Es tropft gelegentlich

Ich bin heute müde.

Die Buchstaben so spröde

und knirschen beim Buchstabieren

oder krabbeln auf allen Vieren.

Alle haben einen Gewitterschaden.

Mussten durch den Regen waten

und es tropft gelegentlich

von ihrer Nase auf den Tisch.

Das Gewitter war so laut.

Die Buchstaben nun halb taub

und wollen am Telefon

ihr Gehör testen auf leisen Ton.

Ich selbst brauche das nicht,

weil mir überall zu laut ist.

Ich höre das Gras wachsen und die Flöhe husten

und höre, wenn Engel Kerzen auspusten.

Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht.

Ab und zu tröpfelt es sacht

aus Petrus seinem Taschentuch –

Regen, davon gibt es genug.

Bald wird es sonnig, Petrus sitzt am Schalter.

Dann zieht das Regentief weiter…