Ein aktueller Wortschwall

Leise hüpfen meine Finger

von Buchstabe

zu Buchstabe.

Zögerlich,

weil ich

noch zwischen den Zeilen

möchte verweilen.

Manchmal suche ich nach einem Thema.

Ich will ja nicht immer nach dem F-Schema

verfahren, sondern Neuland betreten.

Lieber über Aktuelles reden,

als im Garten Eden

der Schlange wiederholt den Apfel rauben

und dann auch noch die Faulen auf zuklauben.

Doch manchmal sind Neuigkeiten rar

und ich frage mich, was mach ich da?

Dann sauge ich mir eine Geschichte aus den Fingern.

Sie wissen schon, das sind die komischen Dinger

am Ende der Hand,

zwischen denen sich oft mein Bleistift befand.

Am Tablet ist es nicht so leicht.

Die Verbindung zum Gehirn eher seicht.

Das Tippen verhindert das stetige Fließen.

Es ist eher, als würde ich niesen

und die Worte als Schwall ausspucken,

bevor sie als Satz zusammen rucken.

Heute kommt nicht Mal ein Schwall.

Denn im Hause rollt der Ball .

Ich horche und habe das Gefühl,

eine Bowlingkugel rollt durch das Gewühl

von Holzbausteinen

und Kinderbeinen.

Nun hüpft die Kugel fleißig auf und ab –

ja das Nachbarskind hält uns auf Trapp.

Bürgerbelustigung

Vor meinem Fenster rollt der Bagger,

dazu lautes Metallgeklapper.

Piep-piep-piep im Rückwärtsgang,

alle Kipplaster fahren hier entlang.

Die Kreissäge kreischt in Monotonie

durch den Asphalt in aller Früh.

Wohin ich geh‘ ein Bauzaun

mit Blinklichter – ein Albtraum.

Ich bin schon froh,

wenn ich irgendwo

in meiner Nähe

einen Bus in die Stadtmitte erspähe.

Umleitungen, Bürgerbelustigung der besonderen Art –

wer diese wohl geplanet hat?

Es tropft gelegentlich

Ich bin heute müde.

Die Buchstaben so spröde

und knirschen beim Buchstabieren

oder krabbeln auf allen Vieren.

Alle haben einen Gewitterschaden.

Mussten durch den Regen waten

und es tropft gelegentlich

von ihrer Nase auf den Tisch.

Das Gewitter war so laut.

Die Buchstaben nun halb taub

und wollen am Telefon

ihr Gehör testen auf leisen Ton.

Ich selbst brauche das nicht,

weil mir überall zu laut ist.

Ich höre das Gras wachsen und die Flöhe husten

und höre, wenn Engel Kerzen auspusten.

Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht.

Ab und zu tröpfelt es sacht

aus Petrus seinem Taschentuch –

Regen, davon gibt es genug.

Bald wird es sonnig, Petrus sitzt am Schalter.

Dann zieht das Regentief weiter…

Ein kleiner Gast

Es dachte sich die Wespe:

„Für mich das Beste,

wäre Eistee:

kühl wie Schnee,

mit dem Geschmack von Pfirsich.“

All‘ das hatte sie sich

in den Kopf gesetzt.

Nun flog sie gestresst

hin und her, zwischen Glas und Flaschen.

Ich lud sie ein zum Nippen und Naschen.

Auch die Spaghetti mit Tomatensoße fand sie interessant.

Ich verscheuchte sie nicht mit der Hand,

sondern beobachtete sie eine Weile.

Wir beide hatten keine Eile.