Mein Eldorado

Wenn ich schreiben kann, ist das Glück mir hold.

Mein Kopf das Eldorado, die Gedanken das Gold.

Papier und Bleistifte die Schaufeln und Siebe

und ich schleiche mich an, von hinten wie Diebe.

Doch manchmal sind auch mir die Gedanken verwehrt,

die Zugänge in mein Eldorado versperrt,

die Hand ermüdet, der Körper schwach

und diesmal setzte ein gezogener Backenzahn mich schachmatt.

Eine Bronchitis kam in Folge

und meine Welt versank in einer Woge

aus Schmerz und Schlafmangel.

Nun herrscht wieder ein Gerangel

an aufgestauten Gedanken.

Zögerlich ranken

sich die Buchstaben,

wie ein zarter Goldfaden,

aus einem Knäuel verwirrter Ideen

und ich kann mich wieder schreiben sehen.

Sensibel

Gott hat mich reichlich bedacht.

Jedes „Kranksein“ hat mir ein neues Körpergefühl gebracht.

Je älter ich werde, desto mehr erwacht die Mimose in mir

und wiederum öffnet sich eine neue Tür.

Manchmal zögere ich,

frage mich,

wohin mich dies führt

und ob dahinter etwas ist, was meine Seele berührt.

Doch dann machen meine Füße den erst Schritt

und ziehen den restlichen Körper mit.

Lang ist’s her…

Ich war einmal mit meinem Fahrrad verwachsen.

Hatte statt Beine Räder mit Achsen

und meine Füße waren Pedale –

ich drehte sie viele Male.

Saß im Sattel, der in vielen Jahren von mir geformt

und nun nicht mehr entsprach einer gekauften Norm.

Ich fuhr jahraus, jahrein, Tag für Tag –

Pedalschlag um Pedalschlag …

und anstatt denken,

tat ich einfach nur lenken.

Gut aufgeräumt

Vor mir das Tablet mit Tastatur.

Rechts von mir tickt meine Uhr.

Linker Hand die Ablage,

und die kleine Papierwaage.

Zu voll mein Schreibtisch.

Ich sammle so manch‘ alten Wisch,

alten Schreibkram, neue Karten.

Auch bunte Stifte auf mich warten.

Zeitungsschnipsel,

Papiergefitzel,

Kleber, Spitzer, Schere,

Schachteln voll und leere.

Bleistifte zahllos, verschieden lang,

in der Schublade liegt ein Schwamm.

Die halbe Buntstiftpalette von Castell,

wollte einst nur schnell: „Hallöchen,“ rufen

und überwand die Stufen,

fünfzehn an der Zahl,

ganz alleine ohne Müh‘ und Qual.

Eins bis vier

Malkästen habe ich hier

und Pinsel ohne Zahl:

für Aquarell, Tusche und Acrylmalerei, ich habe die Wahl.

Radiergummi, Papiercutter, Briefbeschwerer,

Terminkalender, ein leerer

Klebefilmroller,

im Schränkchen ein voller.

Genug Plastikhüllen,

um den Stadteil zu vermüllen.

Feuerzeug, Aktenreiter , Lineal –

sind mir auch nicht egal.

… und meine Notizblöcke , verschieden groß,

wo sind die bloß?

Nur Rosen

Für mich der schönste Rosenplatz

ist dort, wo Ludwig Feuerbach

begraben ist und den Worten seines Freundes Dürer lauscht,

die sich nebenan im Rosenstrauch

in weißen Blüten manifestieren.

Deine Farbenpracht

und deine Artenvielfalt erwacht

am Johannisgottesacker,

wo nackter

Grabstein von dir belebt

und Rosenduft die Toten umweht.

Die Erinnerung an Albrecht Dürer und Ludwig Feuerbach

hälst du mit vielen Schwestern wach.

Mit einem Kleid, aus Rosenblüten umschwebt,

stand ich dort, selten so etwas Schönes erlebt.