Kreuzgang

Und es sprach der Landespapa:

“ Ich geh‘ regieren und du bleibst da.

Sei brav, ordentlich und fromm,

bis ich eines Tages wiederkomm‘.

Bis dahin schau fernsehen, Wiederholungen pur.

anstatt der berauschender Explosion der Kultur.

Zündle auch nicht mit Silvesterraketen

und kein Alkohol, das ist für Kindchen viel zu verwegen.

Bleibe brav in deinen Zimmer,

sonst darfst du nie und nimmer-

mehr es verlassen

und auch keinerlei Besuch erhaschen.

Du bist ja noch so klein,

ungern lass ich dich allein.

Doch ich kann mich noch nicht klonen,

um für immer bei dir zu wohnen.

Deine Pubertät ist abgesagt,

trotziges Feiern auf Jahre vertagt.

Nicht so laut heulen und schniefen,

sonst müssen wir dich noch vertiefen.

Denn sollte etwas aus deiner Nase fließen,

darfst du nur noch ins Kopfkissen niesen.

Lege dann dein Gesicht darauf,

dann freut sich das Virus auch

und damit es nicht kann verschwinden,

solltest du die Maske ums Taschentuch binden.

Hast du dann alles überlebt,

dem letzten Gang zum Friedhof nichts in Wege steht.

Doch vorher noch dein Kreuzchen machen…

Warum lachst du? Hier gibt’s nichts mehr zum Lachen!“

Weihnachtstraum

Ich wär so gern am Mittelaltermarkt ein Gast.

Am offenen Feuer lade ich ab meine Last.

Wärme mit Chai, dem Milchtee mein Gemüt,

während das Feuerchen wärmt und glüht.

Der Glühwein heißt hier gewürzter Wein,

wird serviert im Trinkhorn fein.

Dazu ein Handbrot gefüllt,

das auch den größten Hunger stillt.

 

Die Waffenschmiede hat Hochkonjunktur.

Der Knabe liebt das Schwert, kennt er doch nur

aus Erzählungen die Kriege

und träumt von Siege.

Die Mädchen schmücken sich mit Tand:

Pelz, Bändereien und an der Hand

ein Ringlein,

klein und fein.

Am Schmuckstand hält Einzug die Gegenwart,

in Form eines Kartenlesegerätes, welches erspart

das Münzenzählen –

Bargeld oder Karte, ihr könnt wählen.

Im handbetriebenen Riesenrad

sitzen kleine Kinder brav und apart,

fahren jauchzend viele Runden

und sind dann Richtung Bühne verschwunden.

Cloundame und Weihnachtself

treffen jeden Kindernerv

und entlocken Kindern lautes Lachen,

mit ihren verrückten Sachen…

 

Der Platz dies Jahr leer,

keine Buden mehr.

Das Lachen verklungen,

Feuerzauber im Internet verschwunden.

Nur ein einzelner Baum weit und breit,

ein Symbol der Einsamkeit?

Noch ist kein weiterer Baum zu sehen

und ich kann um ihn herum gehen,

und träume,

von Mittelaltermarkt im Glanze tausender Weihnachtsbäume.

 

 

Nachrichtenfasten

Flink, dein Radio schalt ein,

wie viel Terror darf es heute sein?

 

Nachrichten alle 30 Minuten.

Da darf das Gehirn sich sputen,

all das Gehörte zu erfassen.

Schlechte Nachrichten in Massen

prasseln auf uns ein

und ich frage mich: „Wieviel Terrormantra darf es für mich sein?“

 

Soll ich mich wirklich damit belasten?

Nein, ich mache Nachrichtenfasten.

Ich will nicht kollektiv mitleiden,

mich an anderer Schmerz und Trauer weiden.

Meine Tränen nicht mit fremden Tränen vermischen.

Kein Leben führen zwischen

Empörung, Panik und Entsetzen.

Ich will mich nicht vernetzen

mit dem Terror der Welt –

weil es mir nicht gefällt

nur schlechte Nachrichten zu hören.

Gute Nachrichten dürfen mich immer stören!

Allerlei Zauberei

Draußen zaubert nun der Herbst, mir den vollen Kopfe frei

und Tag für Tag einfach so, noch nebenbei

die bunten Blätter von den Bäumen.

Im leergefegten Kopf nun meine Träume

vergeblich den Winterzauber suchen,

doch dieser ist in diesem Jahr, scheinbar nirgendwo zu buchen.

Auch der Weihnachtszauber wohl sehr spärlich,

schwindet Jahr für Jahr, langsam so allmählich.

Die weihnachtlichen Budenstädte von Zauberhand hinweg gefegt,

die Plätze dunkel und unbelebt.

Mit Wortklauberei der Melchior hinweg gezaubert.

Bei Künstlern und Zauberern man wohl noch zaudert…

Die heiligen Drei Könige nun ein Pärchen,

erzählen sich ein Weihnachtsmärchen.